Worum es geht
Nachts ist die Lichterführung die einzige Sprache, in der Fahrzeuge einander mitteilen, was sie sind, wohin sie fahren und ob sie überhaupt manövrieren können. Aus einer Handvoll farbiger Punkte lässt sich Kurs, Größenklasse und Zustand des anderen ablesen — und damit, welche Ausweichregel gilt.
Die Grundlage ist einfach: Grün steht rechts, Rot steht links, jeweils über 112,5 Grad nach vorn sichtbar, dazu weiß nach achtern. Wer nur Grün sieht, blickt auf die Steuerbordseite des anderen; wer Rot und Grün gleichzeitig sieht, hat das Fahrzeug genau von vorn — die Situation, die am schnellsten kritisch wird.
Die Rundumlichter darüber sagen den Rest: Ein weißes Topplicht macht aus dem Segler ein Motorfahrzeug, zwei rote übereinander bedeuten manövrierunfähig, drei rote einen tiefgangbehinderten Koloss, dem man großräumig aus dem Weg geht.
Die Lichterführung im Überblick
- Segelfahrzeug in Fahrt: Seitenlichter (Rot/Grün) + Hecklicht (Weiß).
- Motorfahrzeug in Fahrt: Seitenlichter (Rot/Grün) + Hecklicht (Weiß) + Topplicht (Weiß, nach vorn).
- Ankerlieger (< 50m): Ein weißes Rundumlicht dort, wo es am besten gesehen werden kann.
- Manövrierunfähig: Zwei rote Rundumlichter übereinander ("Rot über Rot - Schiff ist tot").
- Eingeschränkt manövrierfähig: Rot - Weiß - Rot übereinander.
- Tiefgangbehindert: Drei rote Rundumlichter übereinander.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich nachts ein Segelboot?
An Seitenlichtern und Hecklicht ohne weißes Topplicht. Sobald ein Topplicht nach vorn leuchtet, gilt das Fahrzeug als Motorfahrzeug — auch ein Segler unter Maschine muss es setzen, selbst mit stehenden Segeln.
Was bedeutet „Rot über Rot — Schiff ist tot“?
Zwei rote Rundumlichter senkrecht übereinander zeigen ein manövrierunfähiges Fahrzeug an: Es kann nicht ausweichen, etwa nach Ruder- oder Maschinenschaden. Alle anderen müssen ihm aus dem Weg gehen. Rot-Weiß-Rot übereinander bedeutet dagegen eingeschränkt manövrierfähig, etwa bei Bagger- oder Schleppbetrieb.
Welches Licht führt ein Boot vor Anker?
Ein weißes Rundumlicht dort, wo es am besten gesehen werden kann — auf diese eine Laterne dürfen sich Fahrzeuge unter 50 Metern Länge beschränken. Ab 50 Metern sind zwei vorgeschrieben: eines im Vorschiff und ein zweites im oder nahe dem Achterschiff, tiefer gesetzt. Seitenlichter bleiben vor Anker aus — sie würden Fahrt durchs Wasser signalisieren.
Wie sehe ich, ob ein Fahrzeug auf mich zuhält?
Wenn Sie Rot und Grün gleichzeitig sehen, kommt es genau von vorn. Bleibt die Peilung zu einem Licht über mehrere Minuten konstant, während der Abstand abnimmt, besteht Kollisionsgefahr — genau das ist das Kriterium aus KVR-Regel 7.