KVR-Ausweichregeln: wer weicht wem aus?

Aktualisiert am 28.08.2026 · nautilog Segelwissen

Worum es geht

Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR, international COLREG) legen fest, wer bei einer Begegnung Kurs und Fahrt beibehält und wer ausweicht. Der Grundgedanke ist Berechenbarkeit: Beide Seiten sollen aus derselben Regel dasselbe Verhalten ableiten — nur dann funktioniert das Ausweichmanöver.

Die Kurzfassung unten deckt die Fälle ab, die auf einem Sportboot täglich vorkommen. Sie ersetzt nicht die Regeln selbst: Regel 2 verpflichtet immer zusätzlich zur allgemeinen Seemannschaft — wer eine Kollision nur durch Abweichen von der Regel vermeiden kann, muss abweichen. Und ausweichpflichtig oder nicht: Nach Regel 5 ist ununterbrochener Ausguck durch Sehen und Hören Pflicht.

Rechnen Sie im Zweifel damit, dass die Gegenseite die Regel nicht kennt oder Sie nicht gesehen hat. Ein früh und deutlich gefahrenes Manöver ist immer besser als das Beharren auf einem Wegerecht.

Die Ausweichregeln in Kurzform

  • Segel vs. Motor: Motor weicht Segel aus (Ausnahme: Überholer, enges Fahrwasser, große Berufsschifffahrt).
  • Segel vs. Segel (Wind versch. Seiten): Wind von Backbord weicht Wind von Steuerbord (Backbordbug weicht Steuerbordbug).
  • Segel vs. Segel (Wind gleiche Seite): Luv weicht Lee.
  • Motor vs. Motor (Kreuzend): Rechts-vor-Links.
  • Motor vs. Motor (Entgegenkommend): Beide weichen nach Steuerbord aus.
  • Überholen: Der Überholer hält sich frei (egal ob Segel oder Motor).

Häufige Fragen

Hat ein Segelboot immer Vorfahrt vor einem Motorboot?

Nein. Der Grundsatz gilt, aber mit wichtigen Ausnahmen: Ein Überholer hält sich immer frei, unabhängig von der Antriebsart. In engen Fahrwassern und Verkehrstrennungsgebieten dürfen Sportboote große Fahrzeuge nicht behindern, die außerhalb des Fahrwassers nicht sicher fahren können. Und ein Segelboot unter Maschine gilt rechtlich als Motorfahrzeug — auch mit gesetzten Segeln.

Was bedeutet Backbordbug weicht Steuerbordbug?

Bei zwei Segelbooten mit Wind von verschiedenen Seiten weicht das Boot aus, das den Wind von Backbord hat. Den Bug benennt also die Windseite, nicht der Baum: Wer den Wind von Backbord bekommt, fährt Backbordbug. Die KVR bestimmt die Luvseite als die Seite, die dem ausliegenden Großsegel gegenüberliegt — liegt der Großbaum nach Steuerbord, ist Luv folglich Backbord, und dieses Boot weicht aus.

Wer weicht aus, wenn beide denselben Bug fahren?

Dann weicht das luvwärtige Boot dem leewärtigen aus, also das windzugewandte dem windabgewandten. Der Grund ist praktisch: Das Boot in Luv sieht besser und hat den größeren Handlungsspielraum.

Wie weiche ich richtig aus?

Früh, deutlich und so, dass die Gegenseite das Manöver erkennt — eine kleine, zögerliche Kursänderung wird über Distanz nicht wahrgenommen. Nach Möglichkeit nach Steuerbord und niemals vor dem Bug des anderen Fahrzeugs durch. Wer Kurs hält, muss das Manöver nach Regel 17 dennoch beobachten und selbst handeln, wenn eine Kollision sonst unvermeidbar wird.

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